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„Das war ein wenig surrreal“: Die Eisbären wollen die richtigen Schlüsse aus dem emotionalen Rausch des Winter Game ziehen
Das Freiluftspiel in Dresden haben die Berliner in vollen Zügen genossen. Doch die spielerischen Defizite waren auch im Fußballstadion nicht zu übersehen.
Stand:
Jonas Stettmer hatte gut vorgesorgt. Der Torwart der Eisbären Berlin war nicht zum Einsatz gekommen beim Winter Game der Eisbären im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Während sich die Kollegen in ihren Eiszeiten warmhalten konnten, verfolgte er den 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen die Eislöwen bei zehn Grad unter dem Gefrierpunkt komplett von der Bank.
Über den Helm hatte er zwischenzeitlich eine weinrote Dynamo-Mütze gezogen, passend zur Heimspielstätte der Dresdner Zweitligafußballer, die hier für gewöhnlich spielen. „Ich hatte Handwärmer und extra einen Gürtel an, der Wärme produziert. Dick eingepackt, war das ok“, sagte er. „Für dieses Erlebnis friert man gerne ein paar Stunden.“
Die Euphorie, die das siebte Winter Game in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Eislöwen als Gastgeber und bei den Eisbären als Gästen ausgelöst hatte, war auch nach dem Spiel noch vollumfänglich vorhanden. Auch wenn allen Beteiligten die Nebenwirkungen anzumerken waren, als sie nach dem Eis zurück in die warme Kabine kamen. Gerötete Nasen sowie schmerzende Hände und Füße waren allgegenwärtig.
Am Anfang war es schon kalt, aber danach war es angenehm. Ein besseres Stadion kann man sich kaum aussuchen.
Jonas Müller, Kapitän der Eisbären
Jonas Müller, Kapitän der Eisbären, sagte nach der Ehrenrunde in der Gästekurve und dem abschließenden Feuerwerk: „Am Anfang war es schon kalt, aber danach war es angenehm. Ein besseres Stadion kann man sich kaum aussuchen.“
Liam Kirk, der die Berliner einmal mehr mit seinen beiden Treffern zum 1:1 und zum Siegtor in der Verlängerung gerettet hatte, konnte die Kälte angesichts des Gesamteindrucks ebenfalls verdrängen. „Das war unglaublich, ein wenig surreal“, sagte er. „In England hatte ich früher nicht so viele Gelegenheiten, Outdoor-Spiele zu bestreiten.“
Drei Viertel der Hauptrunde sind gespielt
Diese besondere Umgebung sorgte dafür, dass sich das Duell mit dem Tabellenletzten für Kirk wie ein Play-off-Spiel anfühlte. Die Dresdner taten auch alles, um den Gästen dieses besondere Event sportlich zu vermiesen. Dass sie bis zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit mit 2:1 führten und fast drei Punkte einsammeln konnten, zeigt auch, dass es bei den Eisbären aktuell nicht wirklich rund läuft.
Nach dem 3:2 in München am Dienstag hatte es so gewirkt, als ob die Eisbären sich etwas freigespielt hätten. Doch dann folgte ein 3:4 in Iserlohn am Donnerstag nach 3:2-Führung. Auch die zwei Punkte aus Dresden sind einer zu wenig. Drei Viertel der Hauptrunde sind nun vorbei. Und der Rückstand auf Bremerhaven, die am Sonntag in Mannheim gefordert sind, beträgt fünf Zähler.

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„Die Gegentore resultieren aus einfachen Fehlern, die man vermeiden kann“, sagte Müller selbstkritisch über den Auftritt in Dresden. „Wir müssen einfach schauen, dass wir unsere Chancen über die Linie bringen. Zurzeit ist es gut, dass Kirki trifft und uns im Spiel hält. Aber wir müssen als Mannschaft geschlossener spielen.“
Noch fünf Spiele müssen die Berliner bestreiten, ehe die fast einmonatige Spielpause aufgrund der Olympischen Spiele beginnt. Die Eisbären verstehen diese lange Pause als Chance, um nach vielen Verletzungen die Kräfte zu bündeln und sich auch beim Spielsystem noch zu verbessern.
„Diese Zeit kann uns sehr helfen“, sagte Trainer Serge Aubin vor einigen Tagen. Aber vier wichtige Spieler, falls Kai Wissmann fit wird und ebenfalls in Mailand dabei sein kann, werden nicht zur Verfügung stehen und Kraft lassen bei den Spielen gegen die besten Eishockeycracks der Welt.
An diesem Sonntag werden die Eisbären die Erlebnisse des Freiluftspiels sacken lassen und in winterlichen Gedanken schwelgen. Doch danach wird es wichtig sein, konzentrierter als zuletzt den vorolympischen Schlussspurt anzugehen.
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